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Was bin ich?

 

Unter den antiken Sophisten hat vor allem Protagoras bis heute die Philosophie geprägt, als er formulierte: "Der Mensch ist das Maß aller Dinge." Er wollte damit ausdrücken, dass es keine allgemeine Wahrheit gibt, sondern dass die Wahrheit vom einzelnen Menschen und seiner augenblicklichen Befindlichkeit abhängt. Derselbe Satz kann einmal wahr und ein anderes Mal falsch sein. Viele Jahrhunderte später hat Immanuel Kant ein Zitat des römischen Dichters Horaz als Leitspruch der Aufklärung geprägt: Sapere aude! Das heißt übersetzt: "Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!" Jeder Fortschritt und jede Errungenschaft hat jedoch wie eine Medaille zwei Seiten. Die Emanzipation vom alten Weltbild hat den Menschen selbst zum Garant der Moral gemacht. Das der Mensch daran scheitern kann, haben zwei Weltkriege und ethische Säuberungen eindrücklich in die Annalen der Geschichte geschrieben. Für den aufgeklärten Mensch bleibt die Frage nach ethischen Maßstäben aktuell, die über die Moral und Freiheit des Einzelnen hinausgehen muss.

Gott berührt den Menschen

"Die Erschaffung Adams" ist ein oft reproduzierter Ausschnitt aus dem Deckengemälde des Malers Michelangelo Buonarroti in der Sixtinischen Kapelle.

 

Die Vorstellung des Menschen als Geschöpf Gottes ist vor allem eine demütige Haltung, so wie es der Psalm 8 ausdrückt: "Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" (Psalm 8,4-5 rev. Lutherübersetzung 1984).

Der Psalm geht noch weiter: "Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht." (Ps 8, 6-9). Schon in den beiden biblischen Schöpfungserzählungen begegnet uns das Motiv, dass sich der Mensch die Welt untertan machen soll. Richtig übersetzt und verstanden ist damit aber keine Herrschaft ohne Grenzen gemeint, die es erlauben würde die Erde nur auszubeuten. Vielmehr ist dem Menschen die Erde anvertraut worden und es ist unsere Aufgabe, die Schöpfung zu bewahren. Und es ist eine Aufgabe, die wir global verantworten müssen. Aus diesem Grunde ist die Bewahrung der Schöpfung auch zu einem der zentralen Themen im konziliarischen Prozess und Gegenstand vieler ökumenischer Projekte geworden.