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Der Theologe

 

Bereits in meinem erstem Studienjahr hatte sich zunächst die Praktische Theologie als Lieblingsfachbereich herauskristallisiert gehabt. Obwohl die Praktische Theologie gemeinhin in Vorlesungen und Seminaren nur die Theorie von der Praxis ist, also eigentlich staubtrockener Lernstoff, gab es an der Kirchlichen Hochschule in Bethel noch ergänzende Veranstaltungen, die jene Praxis aus praktisch erfahrbar machen konnte. Neben Sprechübungen und Kanzelübungen waren es vor allem Seminarangebote von Johannes Goldenstein, in denen man z.B. ganz praktisch hinter die Kulissen eines ZDF-Fernsehgottesdienstes werfen konnte. Das Campusleben bot zudem mit Morgenandachten und Hochschulgottesdiensten Freiräume, um alternative Liturgien oder Gottesdienstformen auszuprobieren. Im Hauptstudium an den Universitäten in Marburg und Leipzig verlagerten sich meine Interessenslagen in die Fragen der Systematischen Theologie (Dogmatik und Ethik). Die Auseinandersetzungen in der Systematischen Theologie halte ich für den Kern theologischen Arbeitens und verfechte meine Position, dass die exegetischen Fächer gleichermaßen mit der Kirchengeschichte nur "Hilfswissenschaften" darstellen. Mein besonderes Interesse gilt den Fragen der Ökumene und dem interreligiösen Dialog, die ohne einer Systematische Theologie nur schwer zu lösen wären. Auch aus diesem Grunde habe ich vor allem die dogmatischen Überlegungen von Hans Martin Barth sowie die Idee eines Weltethos von Hans Küng schätzen gelernt. Natürlich muss man im Sinne einer "profilierten Ökumene" auch die eigenen Wurzeln kennen. Aber man muss auch Entschlossenheit zeigen, im ökumenischen Dialog voranzuschreiten. Das gilt auch hinsichtlich der überkonfessinell-gemeinsamen Feier von Sakramenten einschließlich dem Abendmahl. Ein Weiterdenken und keine Verharren auf überholten Positionen fordere ich auch im Bereich der Kirchenreform ein, weshalb ich mich auch im gleichnamigen Netzwerk engagiere. Seit 2006 bin ich Mitarbeiter im Institut für Wirtschafts- und Sozialethik in Marburg. Neben der Arbeit an Studien zum Pfarrberuf bin ich Referent für das Thema Kirchenreform. Für mich ist vor allem eines wichtig: Die Theologie darf nicht nur ein Nachdenken über "Vergangenes" sein, sondern muss - will sie glaubhaft noch eine gesellschaftliche Relevanz haben - auf die Fragen unserer heutigen Zeit Antworten finden. Wie die Kirche, so muss auch das Nachdenken über die Theologie stets reformiert werden, sich weiterentwickeln und dabei mit den jeweils aktuellen Menschen und Herausfoderungen sprach- und dialogfähig bleiben. Eine "deutsche Theologie" im sog. "Land der Reformation", die über (Karl) Barth, Bultmann und Bonhoeffer nicht weit hinauskommt, kann diesem Anspruch nicht mehr gerecht werden.

 

 

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