Die ersten Predigten habe ich schon vor Beginn meines Theologiestudiums gehalten. Predigten auf Bezirkspfingstlagern des Verbands Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder oder in der Kirchengemeinde Jade gehörten ebenso dazu wie Andachten im Gemeindekirchenrat oder auf Tagungen der Evangelischen Jugend. An der Kirchlichen Hochschule in Bethel bot schließlich das Campusleben mit Morgenandachten und Hochschulgottesdiensten Freiräume, um alternative Liturgien oder Gottesdienstformen auszuprobieren. Diese Experimentiermöglichkeiten nahm ich im wahrsten Sinne des Worten war; beim ersten Lobpreisabend auf dem "heiligen Berg" in der Hochschul-Mensa ebenso wie bei einem musikalischem Pfingstgottesdienst mit echtem Feuer in einer Holzkapelle. Taizeandachten und Hauskreisarbeit hielten mich zudem auf Durststrecken über Wasser, als es galt stupide Grammatik und Vokabel von Sprachen zu pauken, die heute kein Mensch mehr spricht. Seit den Homiletischen Seminaren an der Uni hat sich der bisher eher unbeschwerte Zugang verändert. Es ist was wahres dran, dass man nach dem Studium wissenschaftlicher Predigtlehren große Schwierigkeiten hat, im Gottesdienst oder am Radio einfach mal Predigten nur zuzuhören. Immer wieder ertappt man sich dabei, entweder von anderen Predigern lernen zu wollen (was natürlich nicht verkehrt ist, aber von der Predigt ablenkt), oder auf die Macken und Fehltritte anderer besonders zu achten (von denen man zwar auch lernen kann, deren Beobachtung aber erst Recht von der Frohen Botschaft ablenken). Und wenn man selbst dabei ist, sich Skizzen für eine Predigt zusammenzulegen, muss man sich immer wieder auf die Zielgruppe konzentrieren und nicht der Versuchung erliegen, sämtliches theologisches Fachwissen über die Zuhörerschaft auszukippen, das man sich aus irgendwelchen Predigtmeditationen oder Bibelkommentaren zusammen gelesen hat. Was einer Predigt wirklich gut tut ist, wenn man nach dem Modell von Christian Möller mit dem entsprechenden Bibeltext über mehrere Tage "schwanger geht". Doch leider haben die meisten Pastorinnen und Pastoren kaum noch Zeit dafür, weil sie irgendwelche Ausschüsse leiten müssen oder mit Verwaltungsarbeiten erdrückt werden. Ein Qualitätszentrum der EKD für die evangelischen Predigtkultur wird hier kaum helfen können, wenn man nicht bereit ist, grundsätzlich am "Pfarrproblem" etwas zu bewegen. Wie wohltuend kann es dann sein, hin und wieder mal einen Mitarbeiter aus der Evangelischen Jugend oder einen ehrenamtlichen Prädikanten zuzuhören, anstatt der Predigt einer Landesbischöfin zu lauschen, die sie schon an drei anderen Orten vorgetragen hat.
[Der Ausbilder] [Der Autor] [Der Delegierte] [Der Finanzreferent] [Der Mediator]
[Der Moderator] [Der Pfadfinder] [Der Praktikant] [Der Prediger] [Der Redakteur]
[Der Soldat] [Der Student] [Der Synodenvertreter] [Der Theologe] [Der Vorsitzende]